AUS RÜCKSICHT AUF DIE ZUKUNFT

In seinem Selbstverständnis als Ort der künstlerischen Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fragestellungen widmet der GEH8-Kunstraum das Jahr 2019 dem Motto:

 

Dreißig Jahre nach den einschneidenden politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen, welche die Staaten in Ost- und Mitteleuropa grundlegend veränderten, werfen wir den Blick zurück auf die Hoffnungen und Visionen von damals, hinterfragen ihre Relevanz in der Gegenwart und öffnen unsere Türen für neue Utopien.

 

1989 ist zu einem quasi-mythischen Chiffre politischer und sozialer Veränderungen in der europäischen Geschichte geworden. Bereits zu seiner Zeit randvoll mit Aussichten auf die Zukunft, steht es bis heute eher für einen Möglichkeits- als einen Wirklichkeitsraum ein. Die Hoffnungen und Befürchtungen, Utopien und Dystopien, die mit dem Jahr 1989 verbunden waren, sind inzwischen aus der Zeit gefallen, überholt von einer Geschichte, die einmal mehr gezeigt hat, dass die einzige Zukunft, die den Namen verdient, die ist, die nicht vorhergesagt werden kann. Dennoch durchwabern die unerfüllten Potenziale des Jahres 1989 weiterhin die kollektiven Imaginationen und politischen Agenden der Gegenwart. Ohne eine Perspektive auf 1989, lässt sich die deutsche und europäische Gegenwart des Jahres 2019 nicht verstehen. Marian Kaiser

 

“Aus Rücksicht auf die Zukunft“ spiegelt zum einen die kritische Aufarbeitung der Geschichte als notwendigen Teil einer Rückschau auf die turbulente Phase der sogenannten „Wende“. Andererseits soll der zeitliche Bogen von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft gespannt werden, um vor dem Hintergrund des Jubiläums Reflektionen über das Heute und die Zukunft anzuregen. Was sagen uns dreißig Jahre alte künstlerische und gesellschaftliche Utopien über die Gegenwart? Welche Verantwortung entsteht aus der Erfahrung des Erlebten für die Zukunft? In der Beschäftigung mit diesem zeitlichen Bezugsgeflecht möchten wir einen Raum eröffnen, der das Historische mit dem Künftigen in Dialog bringt und eine produktive Spannung entfaltet, um neue Perspektiven fruchtbar zu machen.

Den Facetten unseres Jahresthemas 2019 werden wir mit verschiedenen Projekten, Ausstellungen und Festivals nachspüren.