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SYMPOSIUM OUR HOUSE IS YOUR HOUSE
Selbstorganisation im internationalen Vergleich

25.09. – 26.09. 2009

Programm in Deutsch ( download pdf )

Program in English ( download pdf )

 

26.09. »Reisepiano« - Performance von und mit Elisabeth Rosenthal (Dresden)

gefördert durch:
Kulturstiftung des Freistaates Sachsen /
Landeshauptstadt Dresden, Amt für Kultur und Denkmalschutz /
Dresdner Stiftung Kunst & Kultur der Ostsächsischen Sparkasse Dresden

Selbstorganisation im internationalen Vergleich

Die Initialzündung für das Symposium OUR HOUSE IS YOUR HOUSE ist drei Künstlern zu verdanken, die drei Gemeinsamkeiten verbindet: Ihr Standort Dresden. Ihre Aktivität in einem selbstorganisierten Kunstraum. Ihr Interesse, sich grenzüberschreitend über das Phänomen Selbstorganisation auszutauschen.
Paul Elsner und Nilsson Samuelsson von geh8 entwickelten zusammen mit Grit Ruhland (mitverantwortlich für den bis Januar 2009 aktiven 7. Stock) das Konzept: Sie beschlossen, gemeinsam ein Symposium „selbst zu organisieren“, auf dem ganz unterschiedliche Gäste ihre theoretischen und praktischen Erfahrungshintergründe zum Thema Selbstorganisation vorstellen und diskutieren. Das Ziel: Herauszufinden, was es mit diesem Phänomen auf sich hat, dass als Leitbegriff durch sämtliche Disziplinen und Lebensräume des 21. Jahrhunderts kursiert. Und im gegenseitigen Vergleich zu prüfen, wie ähnlich oder unterschiedlich Selbstorganisation - nicht nur in der Kunstwelt - funktionieren oder scheitern kann.

Künstlerische Selbstorganisation

Off Spaces, Artist Run Spaces, Projekträume, Produzentengalerien, Ateliervereinigungen, Künstlervereine, artist-residencies… Selbstorganisierte Kunsträume boomen weltweit. Vor allem jungen Künstlerinnen und Künstlern bieten sie eine von wenigen Alternativen, die eigenen Arbeiten im selbst gewählten Raum und Kontext einer Öffentlichkeit zu präsentieren. Je nach Zielsetzung sind sie Plattform und Netzwerk für die eigene oder kollegiale Kunstvermittlung, liefern kritische Beiträge zu Diskurs und Gesellschaft, funktionieren als gewollte Alternative oder aber Brückenschlag zum Kunstmarkt. Neben einer hohen Standortdichte in Kunstmetropolen organisieren sich Künstlerinitiativen bewusst auch an peripheren Orten dieser Welt.

Das Dilemma: Zwischen On und Off, Trend und Kritik, Teamwork und Prekariat

Die Selbstorganisation in einem Produzentenraum reicht weit über das eigene Kunstschaffen hinaus. Basierend auf einer institutionsfreien, anti-hierarchischen Arbeitsteilung sorgt man für Ausstellungsorganisation, Öffentlichkeitsarbeit, schreibt Fördermittelanträge und betreibt solidarische Vernetzungen im In- und Ausland. Künstlerinnen und Künstler werden zu Kuratoren, Galeristen, Diskursanheizern und Projektmanagern - und damit zu gleichwertigen VerhandlungspartnerInnen, die sich in Zeiten der Finanzkrise nicht zu bloßen Bildlieferanten degradieren lassen. Ihr Agieren auf Low Budget Niveau verläuft kurzfristig, flexibel, interdisziplinär, teamorientiert, 24 hours statt nine-to-five - und scheint damit genau die Kriterien zu erfüllen, die aktuell in der Kreativwirtschaft als vorbildhaft zeitgemäß bejubelt werden.

Selbstorganisierte Kunsträume entstehen aus Not und nicht aus Wohlstand. Die prekäre Existenz ihrer BetreiberInnen ist symptomatisch für viele freie (Kultur)Berufe unserer Gesellschaft - ihre Arbeit nicht-standardisiert, unsicher, statistisch nicht fassbar, von Förder- und Reformprogrammen kaum berücksichtigt.
Statt sich nur der eigenen Kunst zu widmen, verbringen Künstlerinnen und Künstler mehr Zeit im Büro als im Atelier. Sie planen Vollversammlungen, füllen Anträge aus, aktualisieren Adressverteiler, gestalten Einladungsflyer und Webseiten, organisieren Symposien - und müssen ganz nebenbei noch Geld verdienen. Nicht wenige Produzentenräume brennen aus, leiden an ausbleibenden Fördermitteln, steigender Miete, verlieren ihren Standort oder Gruppenzusammenhalt. Der Übergang von Spaß zu Burnout, von unabhängigem Handlungsspielraum zu alternativloser Selbstvermarktung ist fließend.

Das Symposium: OUR HOUSE IS YOUR HOUSE

Parallel zur Ausstellung OUR HOUSE IS YOUR HOUSE, die in Kooperation mit den DomagkAteliers München und ARSkontakt Prag/Brno entstanden ist, lädt der geh8 Kunstraum und Ateliers e.V. in Dresden zum gleichnamigen interdisziplinären Symposium ein.
Das geh8 Symposium ART FAN initiierte im Mai 2009 bereits den lokalen Dialog zwischen Dresdener Kunsträumen und Ausstellungsinstitutionen mit großer Breitenwirkung.
OUR HOUSE IS YOUR HOUSE will nun den Austausch auf europäischem Niveau erweitern.
Ausgewählte KunstraumbetreiberInnen und Initiativen stellen ihre Projekte vor. VertreterInnen unterschiedlicher Fachdisziplinen informieren über ihre Auseinandersetzung zum Phänomen Selbstorganisation.

Um welche Themen geht es? Status Quo: Was charakterisiert die gegenwärtige Lage von Produzentenräumen? Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede haben sie in Bezug auf ihre Struktur, Ausrichtung und ihr Programm? Welche Rolle spielen dabei die Standorte in unterschiedlichen Städten und Ländern? Wie unterscheiden sie sich von Galerien, Museen und Kunstvereinen? Was sind ihre Stärken und Schwächen? Lassen sich diese mit anderen Lebens- und Arbeitsbereichen vergleichen? Wie sind Schlagworte wie Selbstorganisation und Unabhängigkeit im aktuellen Gesellschaftskontext zu definieren?

Ausblick: Welche Potentiale bietet der internationale Erfahrungsaustausch? Wie lassen sich Kooperationen und Netzwerke zukünftig weiter ausbauen und nutzen? Wie kann man die Potentiale und Bedürfnisse künstlerischer Selbstorganisation als symptomatischen Teil der ktuellen Gesellschaftsentwicklung einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen?

Das Symposium ist öffentlich und heißt alle Interessierten herzlich willkommen:

Our House is your house!

(Text: Carla Orthen / www.produzentenraum.de)