GEH8

Kunstraum und Ateliers e.V. | Dresden

Zwischen Selbst und Organisation

Im Jahr 2014 veränderten sich die für die GEH8 bisher unsicheren Rahmenbedingungen zum Positiven. Durch den Verkauf und Eigentumsübergang des ehemaligen Güterbahnhofsgrundstücks an die Stadt Dresden und die Bewilligung einer institutionellen Förderung durch das städtische Kulturamt gab es erstmals eine langfristige Perspektive zum Verbleib am angestammten Ort und durch die zugesagte Förderung eine bessere Planbarkeit für die künstlerische und kulturelle Arbeit. Mit Hilfe der Kulturstiftung des Bundes war es für uns möglich, ein Coaching zur Reorganisation der Vereinsstruktur durchzuführen. Wir haben in unserem Reorganisationsprozess viel über uns gelernt. Daran wollen wir anderen teilhaben lassen. Im Sinne einer krisengetriebenen Entwicklung initiierte die Reorganisation einen Lernprozess, dessen Ergebnisse wir in einer Publikation dokumentierten.

Die Reorganisation – ein Erfahrungsbericht

Wir, ein Off-Space durchlaufen ein Coaching zur Reorganisation. Unterlaufen wir nun auch der Gefahr einer Überanpassung? Sind wir angekommen im Ausverkauf unseres Autonomieideals zugunsten kommerzieller und institutioneller Bedingungen? Diesen Fragen mussten wir uns stellen. Sehnsuchtsvoll schauten wir zurück zum lustmotivierten autonomen Kunstort, der wild und frei auf der Brache liegt und verharren dabei müde im Bratwurstdunst am Lagerfeuer.
Deshalb das alles. Wir wollen das „Woanders“ bleiben, der Gegenzauber von ökonomistischer Landnahme und ästhetischer Mittelmäßigkeit. Auf dass es kein Budenzauber wird, sollten wir das Notwendige tun, dann das Mögliche, um dann das scheinbar Unmögliche zu erreichen. Kein Ausbrennen und sich voneinander entfernen mehr, aufgrund ineffizient gelöster Organisationsanforderungen, vielmehr hin zu gemeinsamer ernsthafter und anspruchsvoller Suche nach angemessenen Ausdrucks- und Präsentationsformen und deren Reflexion. Wir wollen unser Engagement mehr auf die Kunst konzentrieren und weniger auf die Verwaltung. Deshalb wollten wir unsere Organisation verbessern.
Nach den ersten Jahren des Aufbruchs und des Aufbaus war es an der Zeit unsere Organisation zu überdenken. Wir mussten Antworten auf wesentliche Fragen finden – u.a.: Wie kann der Ausstellungs- und Projektbetrieb künftig professionalisiert und dennoch die Qualitäten und Freiheiten eines Off-Space beibehalten werden? Wie können wir eine stabile organisatorische Basis erlangen, zugunsten der Konzentration auf die Qualität der künstlerischen Projekte? Wir suchten darin einen Ansatz, der den Spagat zwischen ehrenamtlichem Engagement, Vereinsmitgliedschaft, freier künstlerischer Arbeit und persönlicher Existenzsicherung nachhaltig überwinden hilft.
Verlauf und Ergebnis des einjährigen Reorganisationsprozess wurde in einer dreiteiligen Publikation dokumentiert. Sie bildet zum einen die Entwicklung des GEH8 Kunstraum und Ateliers e.V. nachvollziehbar ab und beschreibt zum anderen die Herausforderungen und Potenziale selbst organisierter Produktions- und Präsentationsorte für zeitgenössische Kunst.

Konzeptförderung

Neues zu planen und Neues zu machen sind zwei grundverschiedene Herausforderungen. Wir haben in unserem Reorganisationsprozess viel über uns gelernt. Jetzt arbeiten wir daran unsere Vorhaben auch zur Praxis werden zu lassen, seit 2017 mit Hilfe der Konzeptförderung der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen.

 

Bild (Jasper Kettner): Performance im Rahmen der Ausstellung „Bahnen“ von Tina Beifuss, Anja Kempe, Isabelle Krieg, 2016 


Publikation

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Zwischen Selbst und Organisation – Ein Erfahrungsbericht

Teil 1: Portrait und Werdegang des GEH8 Kunstraum und Ateliers e.V. (DinA 5, 34 Seiten)
Teil 2: Der Reorganisationsprozess (DinA 5, 26 Seiten)
Teil 3: Die Organisation (DinA 5, 42 Seiten)

Die 3 teilige Publikation kann hier bestellt werden.